Wolfgang Kloiber/ März 19, 2019/ Uncategorized

Compliance in der Industrie

Strenge Regularien und Gesetze wie im Finanzsektor – man denke an die Geldwäscherichtlinien oder Antiterrorismusverordnungen – existieren in der Industrie bislang nicht. Die Zügel sind hier etwas lockerer, was sich leider in manchen Fällen böse rächt. Seien es nun Strafzahlungen gegen ThyssenKrupp wegen Preisabsprachen in Höhe von über 900 Millionen Euro, gegen Daimler über eine Milliarde Euro oder den Autozulieferer Schaeffler von 370 Millionen Euro – die Liste der Fälle, die in den letzten Jahren aufgetreten sind, ließe sich noch um einige ergänzen. Die Zeit war längst reif für eine Wende und Bemühungen in diese Richtung sind zu erkennen. Immer mehr Unternehmen stellen nach verbindlichen Vorgaben Richtlinien auf, um ein gesetzeskonformes Zusammenwirken als Basis für einen nachhaltigen Erfolg zu ermöglichen.

 

Präventive Wirkung von Compliance-Programmen

Die Zahlen sprechen für sich – es lassen sich die ersten Erfolge von Compliance in der Industrie verzeichnen. Einer Studie der Universität Halle zufolge, verursacht zwar die Wirtschaftskriminalität in Deutschland immer noch Schäden von über 7 Millionen Euro jährlich, doch ist dies ein Rückgang von 6 % gegenüber 2015. Und auch die Korruptionsbelastung ist eindeutig gesunken. Die Verdachtsfälle lagen hier 2017 bei 6% im Gegensatz zu 19% im Jahr 2015. Inzwischen verfügen nahezu alle Großunternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern über ein Compliance-Management-System, kurz CMS (97%) und es kommen ca. 1500 Mitarbeiter auf eine volle Compliance-Officer-Stelle. Vor vier Jahren waren das noch rund 2.400 Mitarbeiter. Häufig erstrecken sich die Maßnahmen über die eigenen Firmen und Konzerne hinaus. Inzwischen lässt sich ein Drittel der Unternehmen die Einhaltung eines Code of Conduct in ihren Geschäftsbeziehungen mit Lieferanten und Dienstleistern vertraglich zusichern.

 

Angst vor Strafen und geschädigter Reputation

 Was hat diese Entwicklung beeinflusst? Es wäre zu schön die Gründe hierfür ausschließlich in einsichtigem Verhalten und wiederentdeckter Moral zu finden. Ausschlaggebend sind sicherlich u. a. die hohen Geldstrafen, die bisweilen verhängt wurden, auch wenn gesetzlich festgelegt ist, dass diese ein Unternehmen nicht in die Insolvenz treiben dürfen. In der Vergangenheit wurde allerdings häufig eine „Politik der schwarzen Kassen“ betrieben. Firmen, die sich über ihr unkorrektes Verhalten bewusst waren, haben Gelder zurückgelegt und auf diesem Weg vorgesorgt, um eventuelle Strafen bezahlen zu können. Ein System, das nicht mehr so einfach funktioniert. Inzwischen werden die Vorstände für Verstöße verantwortlich gemacht und gegen diese nicht mehr nur Geld-, sondern auch Haftstrafen verhängt. Das schreckt ab, abgesehen davon, dass es natürlich auch die Reputation schädigt und mit einem Vertrauensverlust bei Kunden einhergeht. Ein weiterer Anreiz, um Investitionen in ein CMS zu tätigen, dürfte auch sein, dass es sich positiv auf Strafmaßnahmen auswirkt, wenn ein Unternehmen, gegen das Verstöße vorliegen, über ein solches verfügt.

 

Corporate Social Responsibility

Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als Teil des nachhaltigen Wirtschaftens ist ein nicht zu unterschätzender Teil von Compliance. Die sog. Corporate Social Responsibility ist zu einem Qualitätsmerkmal geworden und sicher auch ein Grund, warum mehr in Compliance investiert wird. Wer gerecht handelt, nachweisen kann, dass es in seinem Unternehmen keine Fälle von Kinderarbeit gibt, seine Arbeiter angemessen bezahlt werden und unter fairen Bedingungen arbeiten, kann damit werben. Das Bewusstsein hierfür wächst in der Bevölkerung stetig und Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und diese wahrnehmen, ist eine größere Kundenbindung gewiss.

 

Umsetzung mit Hindernissen

Leider stößt die Umsetzung eines CMS doch noch manchmal auf Schwierigkeiten und besonders die Compliance-Officers befinden sich in einer oft undankbaren Schnittstelle. Sie müssen die von oben vorgegebenen Regeln kommunizieren, deren Umsetzung begleiten und vor allem deren Nutzen plausibel machen. Die Studie der Universität Halle zeigt, dass Kommunikationsprobleme hier oft das größte Problem darstellen, aber auch eine mangelnde Integration in Geschäftsprozesse oder die Umsetzung in global agierenden Unternehmen, wo unterschiedliche Kulturkreise aufeinandertreffen. Und manchmal leider auch noch einfach ein mangelndes Bewusstsein in der Belegschaft dafür, dass Handlungsbedarf besteht und die Dinge nicht einfach wie gewohnt weiterlaufen können. Hilfreich bei diesem Prozess ist auf jeden Fall der „Tone from the Middle“. Was von der Vorstandsebene kommt, hat zwar Signalwirkung, doch ist es weitaus wichtiger, dass Führungskräfte diese Entscheidungen mittragen und dahinter stehen.

 

Mehrwert und Wettbewerbsvorteil

Die Entwicklung zeigt, dass Compliance und Compliance-Management-Systeme mittlerweile auf dem Weg sind, zu einer Selbstverständlichkeit zu werden. Sie gelten nicht mehr als “Geschäftsverhinderung“, sondern sind zu einer Art Gütesiegel und damit Wettbewerbsvorteil geworden. Wer seinen Angestellten vermitteln kann, dass Compliance ihnen einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen sie sich mit großer Sicherheit bewegen können und hilft, an der sozialen Verantwortung teilzuhaben, kann mit deren Unterstützung  und einer großen Identifikation mit dem Unternehmen rechnen. Mitarbeiter, die stolz auf ihre Unternehmenskultur sind, transportieren dies letztendlich auch nach außen und tragen zu einer guten Reputation bei.

 

Quellen:

https://www.econcrime.uni-halle.de/research; Zugriff: 23. November 2018

https://www.pwc.de/de/risk/pwc-wikri-2018.pdf; Zugriff: 23. November 2018

https://www.welt.de/wirtschaft/article125967524/EU-verhaengt-370-Millionen-Strafe-gegen-Schaeffler.html; Zugriff: 27. November 2018

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/lkw-kartell-aktionaere-fordern-aufklaerung-von-daimler/19520618.html?ticket=ST-2847394-LPPqJcxTRgWrG7JYTaNB-ap1; Zugriff :27. November 2018-11-27

https://www.bundeskartellamt.de/DE/Kartellverbot/kartellverbot_node.html#doc3591504bodyText3; Zugriff :27. November 2018

https://www.csr-in-deutschland.de/DE/Was-ist-CSR/Grundlagen/Nachhaltigkeit-und-CSR/nachhaltigkeit-und-csr.html; Zugriff: 27. November 2018

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Wolfgang Kloiber

Über Wolfgang Kloiber

Wolfgang Kloiber ist bei der targens GmbH als Sales Manager Compliance Solutions für die Betreuung von Industriekunden zuständig. Er besitzt jahrelange Erfahrung im Umfeld von Compliance Management-Tools sowie der Schulung und Kommunikation von Compliance-Inhalten. Diese fundierte Expertise setzt er zum Wohle der Kunden ein. Nach dem Studium der Geisteswissenschaften in Würzburg, Berlin und Cambridge arbeitete er zunächst als Business-Coach und Trainer, anschließend als Berater in den Bereichen Personalrekrutierung und Personalentwicklung.