Matilda Kloiber/ August 14, 2019/ Uncategorized

Finanzkriminalität ist für viele Unternehmen immer noch ein allgegenwärtiges Thema. Es bestehen bereits ausgeklügelte, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Machine Learning funktionierende Systeme, die bei der Prävention von Geldwäsche unter die Arme greifen. Der Aufschwung der sogenannten Direktbanken, stellt Compliance-Mitarbeiter jedoch vor eine neue Herausforderung. Die Schlagzeilen über Geldwäsche-Vorfälle bei Fintechs häufen sich. Sind die vorhandenen Systeme mit der Digitalisierung der Finanzbranche überfordert?

Eine Direktbank ist spezialisiert auf die Kontoführung über das Smartphone. Anstelle eines Bankschalters wird ein Girokonto geboten, das sich vollständig per App bedienen lässt. Das beeinflusst die Arbeitsweise von Onlinebanken. Durch die fast vollständige Digitalisierung sind Filialen überflüssig. Kosten werden gemindert, da kaum Miete gezahlt werden muss und weniger Mitarbeiter benötigt werden. Zu Gunsten der Kunden sind Girokonten bei den sogenannten Smartphone-Banken also kostenfrei. Sogar Guthabenverzinsungen auf das Girokonto werden von Onlinebanken teilweise angeboten. Verbraucher benötigen somit kein zusätzliches Sparkonto mehr. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass durch „MoneyBeam“ Geld in Echtzeit gesendet werden kann, vorausgesetzt, Sender und Empfänger sind beide Kunden der gleichen Bank. Das scheint vor allem bei der jüngeren Bevölkerung sehr gut anzukommen. Start-ups zählen mitunter über 2,5 Millionen Kunden.

Trotz des großen Erfolgs, stehen Onlinebanken stark in der Kritik. Betrüger haben mit Hilfe von Identitätsdiebstahl hunderte Konten über mobile Banken eröffnet, um Zahlungen aus gefälschten Onlineshops entgegenzunehmen. Die Finanzaufsicht BaFin hatte bereits vor der Betrugsmasche, die erst mit dem Video-Ident-Verfahren möglich wird, gewarnt. Bei einer Kontoeröffnung werden die Kunden in einem Video-Chat identifiziert und können sich den Weg in eine Filiale sparen. Unter falschem Vorwand bringen Betrüger Verbraucher dazu, am Video-Ident-Verfahren teilzunehmen und ihre persönlichen Daten freizugeben. Gelockt werden sie oft durch gefälschte Stellenanzeigen oder als vermeintliche Testpersonen für das Video-Ident-Verfahren. Mit diesen Daten werden dann echte Konten eröffnet. Aber wie kann so etwas passieren? Meist liegt es an der mangelhaften Überwachung von verdächtigen Transaktionen und der lückenhaften Risikokontrolle. Gerade bei digitalen Banken ist es jedoch unabdingbar, dass Systeme für AML (Anti Money Laundering) oder KYC (Know Your Costumer) auf dem neuesten Stand sind, um Finanzkriminalität effektiv vorbeugen und bekämpfen zu können. Andernfalls haben Kriminelle ein leichtes Spiel, über einen längeren Zeitraum, Konten für Geldwäsche zu nutzen.  Die Financial Action Task Force (FATF) sieht das Online-Banking als besonders attraktive Plattform für Kriminelle. Konten können ohne direkten Face-to-Face-Kontakt eröffnet werden. Doch nicht die eigentlichen Transaktionen sind das Problem, sondern drei Faktoren, die das Internet umfasst: Es kann jeder Zeit und überall aufgerufen werden; es bietet eine unglaubliche Geschwindigkeit, um Transaktionen auszuführen und Anonymität, die es nur sehr schwer macht, Kontakte zwischen Kunden und Institutionen ausfindig zu machen.


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Foto: Pierre Amerlynck von FreeImages