Susanne Hofrichter/ Juli 30, 2018/ Uncategorized

Nun ist es also soweit – die am 19. Juni im Amtsblatt der EU veröffentlichte 5. Geldwäscherichtlinie ist am 9. Juli dieses Jahres in Kraft getreten. Die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung soll verbessert und die Transparenz von finanziellen Transaktionen gestärkt werden. Eine große Aufgabe für alle Betroffenen, die wieder eine Angleichungshürde zu nehmen haben. Die Zeit ist knapp, muss die Richtlinie doch bis zum 10. Januar 2020 umgesetzt werden.

Was sind die wichtigsten Änderungen?

Die größte Neuerung betrifft die virtuellen Währungen wie beispielsweise Bitcoins. Diese waren vom Anwendungsbereich der 4. Geldwäscherichtlinie bisher nicht erfasst. Jetzt unterliegen Umtauschplattformen für virtuelle Währungen, Anbieter von elektronischen Geldbörsen (sog. „Wallets“) und Konten für virtuelle Währungen den neuen verschärften Richtlinien. Ziel ist es, so deren Nutzer leichter zu identifizieren.

Länder mit hohem Risiko unterliegen einer verstärkten Sorgfaltspflicht. Welche Länder das sind, wird durch eine Delegierten-Verordnung der EU-Kommission festgelegt. Es besteht die Verpflichtung zusätzliche Informationen über Kunden einzuholen. Dazu gehören u. a. Informationen über Geschäftsbeziehungen, Herkunft der Gelder, Gründe für geplante Transaktionen und eine erhöhte Überwachung.

Größere Transparenz für E-Geldprodukte. Hier werden die Schwellenbeträge, für die keine Identitätsangabe notwendig ist, gesenkt und es gelten strenge Anforderungen an die Kundenüberprüfung.

Verbesserter Zugang zu Informationen über den wirtschaftlichen Eigentümer. Für die Mitgliedstaaten besteht eine Pflicht zur Offenlegung einer begrenzten Zahl von Angaben zu den wirtschaftlichen Eigentümern von Unternehmen und juristischen Personen, die im Sinne von Artikel 54 AEUV einen Erwerbszweck verfolgen. Hierdurch werden zusätzliche Garantien für Dritte geboten, die mit diesen Gesellschaften Geschäfte machen möchten. So soll eine bessere Kontrolle der Informationen durch Zivilgesellschaften erfolgen.

Die Befugnisse der zentralen Meldestellen werden ausgebaut. Die Zusammenarbeit der Financial Intelligence Units (FIUs) wird gefördert. Außerdem erhalten diese einen schnellen Zugriff auf Informationen über Inhaber von Bank- und Zahlungskonten durch zentralisierte Register und elektronische Datenabrufsysteme.

Wer ist betroffen, was sind die Konsequenzen?

Zu den Betroffenen der neuen Richtlinie gehören u. a.  Kreditinstitute, Wertpapierfirmen, Investmentfonds sowie Dienstleister für Trusts oder Gesellschaften.

Für alle besteht ein weiterer Anpassungsbedarf ihrer internen Maßnahmen.

So müssen Emittenten elektronischen Geldes z. B. ihre Gesellschaftsmodelle neu evaluieren und Bitcoin-Plattformen sowie Wallet-Anbieter ein Geldwäschepräventionssystem umsetzen.

Wichtig ist hierbei eine toolgesteuerte Implementierung der Prozesse. Die Compliance-Lösung, die zum Einsatz kommen soll, hat viele Aufgaben zu bewältigen. Die bereits bestehenden Bereiche der Compliance wie Customer Onboarding CDD, Ongoing CDD und Continuous Detection müssen weiter abgedeckt werden.  Darüber hinaus sollen die Daten der Blockchain – das dezentrale öffentliche Buchhaltungssystem aller Bitcoin-Transaktionen –verarbeitet sowie das oben erwähnte Geldwäschepräventionssystem implementiert und die Regulierung von Krypto-Währungen gewährleistet werden.

Alle Betroffenen stehen vor einer großen Herausforderung. Möge die Übung gelingen.

 

Quellen:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1529999596017&uri=CELEX:32018L0843; Zugriff 06.07.2018

https://www.computerwoche.de/a/blockchain-was-ist-das,3227284; Zugriff 07.07.2018

https://www.wr-recht.de/5-geldwaescherichtlinie; Zugriff 07.07.2018

https://www.compliance-manager.net/fachartikel/kennen-sie-ihren-kunden-1524174895; Zugriff 07.07.2018

Susanne Hofrichter

Über Susanne Hofrichter

Susanne Hofrichter ist Product Manager bei der targens GmbH. Seit über 10 Jahren verantwortet sie Neu- und Weiterentwicklungen im Bereich Compliance. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt in den Themenbereichen AML, Fraud und KYC. Innovative Themen wie Data Analytics, Blockchain und Distributed Ledger Technologie liegen ihr ebenso am Herzen wie die Erfüllung regulatorischer Anforderungen.