Khanh Nguyen/ August 26, 2019/ Uncategorized

Bei „Länder-Indizes“ handelt es sich nicht um einen feststehenden Begriff mit einer allgemein gültigen Definition. Der Fokus liegt hierbei auf Informationsquellen, die bspw. Länder aufgrund bestimmter Eigenschaften auflisten, Länderplatzierungen auf Grundlage (statistischer) Auswertungen erstellen, oder selbst auf andere Quellen zurückgreifen und einen sogenannten zusammengesetzten Index darstellen. Diese Arten von Informationsquellen zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass die Ergebnisse leicht auswertbar sind, da die Länder zum Teil über ein Punktesystem quantitativ bewertet werden. Dadurch lassen sie sich leicht in die unternehmenseigene quantitative Risikobewertung überführen.

Der wohl bekannteste Index ist der sogenannte CPI – Corruption Perception Index (Korruptionswahrnehmungsindex), der von Transparency International jährlich herausgegeben wird. Dieser misst die in Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption und fasst 13 Einzelindizes von zwölf unabhängigen Institutionen zusammen, deren Daten auf Experteninterviews, Umfragen und weiteren Untersuchungen beruhen. Ein weiterer zusammengesetzter Index ist der Basel AML Index, der ebenfalls jährlich vom Basel Institute on Governance herausgegeben wird. Dieser platziert 129 Länder nach ihrem Geldwäsche- sowie Terrorismusfinanzierungsrisiko. Beim sogenannten Political Risk Index, den Coface, ein weltweit führender Kreditversicherer, jährlich veröffentlicht, wird eine Platzierung nach dem politischen Risiko erstellt. Die politische Instabilität eines Landes könnte einen begünstigenden Faktor für Terrorismusfinanzierung oder Korruption darstellen.

Anders als bei den genannten Indizes, enthält die FATF NCCT-Liste keine Rangfolge. Sie listet vielmehr Länder auf, deren Gesetzgebung zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung nach Einschätzung der FATF nicht den anerkannten Standards entspricht. Die gelisteten Länder werden zwar nicht quantitativ bewertet, doch ob ein Land auf die Liste aufgenommen wurde oder nicht, kann ebenfalls sehr einfach in ein quantitatives Bewertungsmodell überführt werden.

Darüber hinaus existiert eine schwer überschaubare Anzahl an weiteren Ranglisten und Kennzahlen, die von Nichtregierungsorganisationen oder privaten Unternehmen herausgegeben werden. Diese stellen ebenfalls wertvolle Informationsquellen dar, die zur Qualitätssteigerung der Risikobewertung beitragen können. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, klare Auswahlkriterien festzulegen, um tatsächlich verlässliche, vertrauenswürdige und relevante Quellen herauszufiltern. Folgende Kriterien sollten in Betracht gezogen werden:

  • Wie viele der relevanten Länder werden vom Index abgedeckt?
  • Handelt es sich um einen dauerhaft etablierten Index?
  • Wird der Index in regelmäßigen Abständen veröffentlicht?
  • Welche Datenquellen werden herangezogen?
  • Ist die Ermittlungsmethodik transparent, nachvollziehbar und konsistent?
  • Ist der Herausgeber eine unabhängige und glaubwürdige Institution?
  • Ist der Index Bestandteil eines anderen, bereits bei der Risikobewertung verwendeten Indexes?

Doch nicht nur bei der Auswahl, sondern auch beim Einsatz der Länder-Indizes ist Vorsicht geboten. Es besteht die Gefahr, dass ein bekannter und weit akzeptierter Index, wie der CPI, als Allzweckwaffe angesehen wird. Wirft man jedoch einen genaueren Blick darauf, stellt man fest, dass der CPI bspw. die Korruption im privaten Sektor nicht erfasst. Bei der Bewertung des Korruptionsrisikos in Verbindung mit einem Vertriebsagenten, der ausschließlich im privaten Sektor aktiv ist, kann der CPI nicht die gleiche Gewichtung haben, wie bei Geschäftsaktivitäten im öffentlichen Bereich.

Auch muss die Verwendung des CPI zur Bewertung des Geldwäscherisikos eines Landes differenziert betrachtet werden. Es macht durchaus einen Unterschied, ob es sich dabei um das Adressland eines Kunden oder das Land der Geschäftstätigkeit handelt. Während eine hohe Verbreitung von Korruption im Land der Geschäftstätigkeit ein Indikator für erhöhte Geldwäscheaktivität sein kann, besteht dieser Zusammenhang bei einem Drittland, über welches Schwarzgeld umgeleitet werden soll, nicht. Werden Länder-Indizes jedoch adäquat ausgewählt und zielgerichtet und differenziert eingesetzt, stellen sie ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Bewertung von Compliance-Risiken dar und können zu einer noch zutreffenderen Risikoeinschätzung verhelfen. Dies ist die Grundvoraussetzung für das Ableiten von effektiven und effizienten risikominimierenden Maßnahmen.


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Foto: Christine Roy / Unsplash

Khanh Nguyen

Über Khanh Nguyen

Über Khanh Nguyen Khanh Nguyen ist als Senior Consultant bei der targens GmbH tätig. Nach mehrjähriger Erfahrung in der Compliance-Beratung bei einer der Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, verantwortete sie den Bereich Compliance bei einem international agierenden mittelständischen Industrieunternehmen. Mit den Erfahrungen aus beiden Welten liegt ihr Schwerpunkt derzeit bei den Produkten SMARAGD CRS und CDD und sie unterstützt Kunden bei der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen in den Bereichen Risikoanalyse, Risikobewertung und Kundensorgfaltspflichten.