Tobias Bumm/ November 2, 2020/ Uncategorized

In unserer hochvernetzten Welt ist die Qualität der Daten, die immer häufiger in Echtzeit und zwischen einer zunehmenden Zahl von Teilnehmern ausgetauscht werden, von besonderer Bedeutung. Dies gilt insbesondere, wenn es um Zahlungen geht. Im globalen Geldverkehr sind bei jeder Transaktion diverse Parteien involviert – dass es übergreifender Standards bedarf liegt damit auf der Hand.

Vor rund 16 Jahren wurde mit der ISO 20022 bereits eine neue Norm für Nachrichten im Zahlungsverkehr eingeführt. Nun steht der Standard vor einem Meilenstein, der tiefgreifende Veränderungen für Banken und Kunden mit sich bringen wird. Ziel ist die Vereinheitlichung von existierenden und neuen Nachrichtenstandards in verschiedenen Bereichen der Finanzwelt – und somit die Erschaffung einer weltweit identischen Sprache für Zahlungsdaten.

Jüngere Plattformen und Systeme sind in der Regel schon für ISO 20022 ausgelegt. SWIFT, das vorherrschende Transaktionsnetzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen, und die ihm angeschlossenen Teilnehmer wie Banken und Handelshäuser verwenden traditionell jedoch einen anderen Standard, sogenannte MT-Nachrichten. Die SWIFT Gemeinschaft hat sich 2018 darauf verständigt, diese für länderüberschreitende und Großbetragszahlungen schrittweise durch die umfangreicheren MX-Nachrichten der ISO 20022 Norm und die dort verwendeten XML-Formate zu ersetzen. Und das hat weitreichende Auswirkungen. Es handelt sich hierbei eben nicht einfach nur um ein neues technisches Format. Diverse zugrundeliegende Geschäfts- und Kontrollprozesse sowie grundsätzlich sämtliche Abteilungen, die mit Zahlungen in Berührung kommen, sind betroffen. Mitarbeiter und Kunden müssen sensibilisiert und geschult werden. Die vor der Zahlungsindustrie liegende Aufgabe ist enorm, erhebliche Ressourcen werden erforderlich sein.     

Die im März 2020 von SWIFT verkündete Verschiebung des Starts der Migration der beiden Nachrichtenformate um ein Jahr auf Ende 2022 gibt den Banken nun mehr Zeit, sich auf die Einführung vorzubereiten. SWIFT reagierte damit auf Rückmeldungen aus dem Sektor. Mit Ende 2025 bleibt die Deadline für die Beendigung der Koexistenz der beiden Standards allerdings bestehen. Beeinflusst durch die SWIFT Entscheidung sowie die Herausforderungen für die Branche durch die Coronakrise, wurde im Sommer dieses Jahres eine weitere Zeitplanänderung verkündet: Die Europäische Zentralbank hat den Launch ihrer konsolidierten Settlement Plattform T2-T2S nun gleichfalls auf November 2022 verschoben. Diese wird ebenfalls auf dem ISO 20022 Standard basieren.

Auch wenn der Sektor vor großen Herausforderungen steht, wird der Aufwand sich langfristig sowohl für Banken als auch ihre Kunden auszahlen. Mit einem weltweit vereinheitlichten Standard wird der Zahlungsverkehr deutlich automatisierter, sicherer und wirtschaftlicher durchführbar sein. Die Entwicklung Richtung Realtime Zahlungen wird vorangebracht. Und im Kampf gegen Finanzkriminalität stellen genauere Daten ein effektives Werkzeug dar.