Tobias Bumm/ September 8, 2020/ Uncategorized

Die rechtliche Feststellung unserer Identität basiert auf gesetzlich definierten Merkmalen wie beispielsweise Name, Geburtsdatum und Geschlecht. In der analogen Welt dienen meist amtliche Ausweisdokumente, wie z.B. der Personalausweis, als Mittel zur Feststellung der Identität. Die Identifizierung erfolgt dabei in der Regel durch eine Sichtprüfung. Dies lässt sich allerdings so nicht in die digitale Welt übertragen. Momentan müssen sich Nutzer meist bei jedem Service neu registrieren. Dieses führt abhängig vom Kontext zu einer Vielfalt digitaler Identitäten.

Digitale Identitäten sollen durch EMIIL standardisiert werden.

Um das zu ändern, haben sich im Rahmen des Innovationswettbewerbs des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „Schaufenster Sichere Digitale Identitäten“ die Telekom Innovation Labs, das Fraunhofer IAO, Jolocom GmbH, Robert Bosch GmbH, msg systems ag, ZF Car eWallet GmbH sowie die Stadt Jena unter der Konsortialführerschaft der targens GmbH zum Projekt EMIL zusammengeschlossen. Unterstützt werden sie durch die assoziierten Partner Stadt Ulm sowie die Medienpartner 0711 Digital GmbH und die YAEZ GmbH (1).

Ziel des Projekts EMIL

Das Team rund um EMIL hat eine digitale Identität der fiktiven Person Emil entwickelt, die einen Durchschnittsbürger der Bundesrepublik repräsentieren soll. Jetzt arbeitet es an den Herausforderungen und Bedürfnissen beim Einsatz seiner digitalen Identität in Behörden und Unternehmen. Im privaten Umfeld lassen sich damit digitale Verträge mit Kommunen oder Serviceanbietern abschließen, wie beispielsweise ein Handyvertrag, ein Mietautovertrag oder die Baugenehmigung fürs Eigenheim. Im Business-Umfeld sind die Potenziale noch größer, denn gerade dort gehören Vertragsabschlüsse und die damit verbundene rechtskonforme Überprüfung der Identität von Vertragspartnern zum täglichen Geschäft. Ziel hierbei ist es, mobil nutzbare, universell einsetzbare und rechtlich anerkannte digitale Identitäten zu etablieren. Dabei soll jede Identität vom Nutzer selbstbestimmt verwaltet werden (entsprechend des Konzepts »Self Sovereign Identity (SSI)«).

Vorteile und Risiken digitaler Identitäten

Die Vorteile einer solchen digitalen Identität liegen auf der Hand. Nicht erst seit der Coronakrise verlagern sich immer mehr Dienste von der Offline- in die Online-Welt. Die Identifikation einer Person, also die digitale Identität, ist somit der Schlüssel für jede digitale Geschäftsabwicklung. Überdies kann eine standardisierte digitale Identifikation auch zur Reduzierung von Betrug, zum Schutz von Rechten und zu einer besseren Transparenz beitragen. Des Weiteren werden durch das Vorantreiben der Digitalisierung die Effizienz erhöht und die Benutzerfreundlichkeit verbessert. Nach Einschätzungen von McKinsey könnten Länder, die digitale IDs implementieren bis 2030 einen wirtschaftlichen Wert bis zu 13% des BIP freisetzen (2). Um die dafür notwendige breite Nutzung digitaler Identitäten zu erreichen, braucht es ein funktionierendes Ökosystem aus Endnutzern und Anbietern. 

Die Bedrohungen des gesamten digitalen Ökosystems durch Cyberattacken stellen dabei ein zunehmendes Risiko dar. Digitale ID-Programme sind dabei keine Ausnahme. Der Erhebung und Speicherung personenbezogener Daten zu finanziellen Gewinnen muss unbedingt entgegengewirkt werden. Auch politische Manipulation einer Wählerschaft und soziale Kontrolle bestimmter Gruppen durch Überwachung sowie Einschränkung von Zahlungen, Reisen und sozialer Medien sind nicht zu unterschätzende Risiken.

Wenn aber staatliche und private Sicherheitsstandards, die Privatsphäre und die Eigenverwaltung sichergestellt werden können, ließe sich das volle Potential digitaler Identitäten mit minimalen Risiken ausschöpfen. Aber bis dahin wird noch viel gearbeitet am sicheren Leben im Netz.


Mehr über Digitalisierung: Digitale Transformation und Compliance

Quellen:
  1. https://www.targens.de/en/news-detail/news/konsortium-entwickelt-fuer-bundesbuerger-emil-eine-digitale-identitaet.html
  2. https://www.mckinsey.com/business-functions/mckinsey-digital/our-insights/infographic-what-is-good-digital-id