Tamara Tanaskovic/ Juni 28, 2020/ Uncategorized

Geldwäsche (Money Laundering) umfasst bekanntermaßen drei Phasen: Einspeisung, Verschleierung , Integration. Micro-money Laundering folgt den gleichen Prinzipien, nur in viel kleineren Dimensionen.

Sobald Geldwäscher das inkriminierte Geld erhalten, legen sie es z.B. in Briefkastengesellschaften an, sprich, Unternehmen, die nur auf dem Papier und nicht physisch existieren. Die meisten Kriminellen werden in der Phase der Einspeisung auffällig, da das Einlegen großer Geldbeträge auf Konten ohne überprüfbare Quelle verdächtig erscheint, wenn sie nicht sorgfältig durchgeführt werden. Nach der Einspeisung muss das Geld durch mehrere Transaktionen verschleiert werden, damit die ursprüngliche Quelle nicht zurückverfolgt werden kann. Schließlich wird das gewaschene Geld wieder in den legalen Finanzverkehr integriert.

Mit einer stärkeren Kontrolle traditioneller Finanztransaktionen und effektiveren Systemen zur Identifizierung von Betrug und Geldwäsche suchen Kriminelle zunehmend nach neuen Möglichkeiten Geld zu waschen. Schlupflöcher, um der Aufmerksamkeit der Strafverfolgungs-und Aufsichtsbehörden zu entgehen, bieten sich durch die Nutzung digitaler Kanäle und online Plattformen an.

In jüngster Zeit sind „Mikrotransaktionen“ häufiger zu beobachten. Transaktionen die so gering sind, dass sie unter den Radar gängiger Schwellenwerte fallen. Mikrotransaktionen sind kleine Zahlungen, die sich häufig in einem fast unbeachtlichen Bereich von 1,00- 10,00 € bewegen.  Werden jedoch tausender solch kleiner elektronischer Zahlungen über Plattformen wie PayPal initiiert, kann eine beträchtliche Summe zu Stande kommen.

Wie läuft Micro-Money Laundering ab?

Online-Stellenmarktplätze mit Treuhanddiensten wie Freelancer und Fiverr zum Beispiel können für Geldwäsche missbraucht werden um Transaktionen über ein Finanzagent-System zu verschleiern.

Geldwäscher erstellen ein Konto um eine vermeintliche Jobanfrage zu stellen, in der sie nach einer Dienstleistung suchen, die zu einem bestimmten Entgelt angeboten wird. Sie können sich dann auf derselben Freelancer-Website mit einer anderen IP-Adresse und einem anderen Benutzerkonto anmelden um auf ihr eigenes Stellenangebot zu reagieren. Der Betrag für die angepriesene Arbeitsleistung wird an die Plattform gezahlt, bevor es an die Person ausgezahlt wird, die die Dienstleistung erbringt. Das erste Konto kann dann das zweite Konto auswählen, um die getäuschte Leistung auszuführen. Anschließen wird der Stellenmarktplatz informiert, um den Betrag für das zweite Konto freizugeben.

Fortnite, eines der beliebtesten Spiele der Welt, wurde vor nicht allzu langer Zeit für ähnliche Praktiken missbraucht. Hier wurde durch das Spiel Geld gewaschen, indem gestohlene Kreditkarten zum Kauf und Verkauf von Spielgeld verwendet wurden. Das Verfahren ist bemerkenswert einfach: Gestohlene Kreditkarteninformationen werde herangezogen, um ein Fortnite-Konto zu erstellen und die V-Bucks (die Zahlungswährung innerhalb des Spiels) zu kaufen. Sobald das In-Game-Konto aufgefüllt ist, wird diese Währung anderen Spielern über bekannte Plattformen wie eBay oder über das Dark Web zum Kauf angeboten. Der Kaufpreis ist dann niedriger als im Spiel selbst, was den Erwerb der Spielwährung begünstigt.

Die meisten Anbieter von Onlinespielen verbieten Währungstransaktionen im Spiel. Da allerdings die Handlung per se keine Straftat darstellt, gibt es auch keine kontinuierliche Überwachung solcher Aktionen. Neben Fortnite sind auch Minecraft, FIFA, World of Warcraft, Final Fantasy, Star Wars Online, GTA 5 und viele weitere Anbieter von Online- und App-Spielen betroffen.  

Welchen Einfluss hat Micro-money laundering

Die globale Reichweite von Anwendungen, Messaging-Systemen und Spielen hat sich weit schneller entwickelt, als Unternehmen, Regierungen und Gesellschaften mit den neuen digitalen Betrugs- und Geldwäsche-Netzwerken Schritt halten können.

Die große Veränderung in den letzten Jahren besteht darin, dass Geldwäscher nun aufgrund der unkomplizierter Durchführung digitaler Transaktionen und der geringeren Entdeckungswahrscheinlichkeit gerne und häufiger ihr Geld in weitaus kleineren Mengen waschen, anstatt unrechtmäßig erworbene Gelder in größere Unterfangen zu legen. Auf diese Weise können Kriminelle das Risiko aufgespürt zu werden, auf Tausende kleinere, alltäglicher und somit vermeintlich unauffällige Transaktionen verteilen.

Mit Micro Money Laundering sehen wir eine neue Form der Geldwäschebedrohung, dessen Risiken von Aufsichtsbehörden, Zahlungsdienstleister und Unternehmen rechtzeitig erkannt werden müssen, noch bevor Täter davon profitieren können.  Dies bedeutet zugleich, dass strengere Prozesse und ein verstärkter Einsatz von technologischen Mitteln unerlässlich ist, um potenzielle Geldwäsche zu identifizieren und die dahinterstehenden Personen oder Organisationen aufzudecken.

Photo: Jonathan Brinkhorst on unsplash

Die 6. EU „Geldwäscherichtlinie“

Betrügerische Online-Urlaubsbuchungen: Auch Kleinvieh macht Mist

Mit Vollgas gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung!

Wenn die Aufsicht wegschaut oder “Viel schmutziges Geld”

Tamara Tanaskovic

Über Tamara Tanaskovic

Tamara Tanaskovic ist als Senior Consultant bei der targens GmbH tätig. Nach ihrem universitären Abschluss mit Schwerpunkt Strafrecht, folgten postgraduierten Studien in London im Bereich Kartellrecht, Bankenregulierung und Compliance. Aktuell ist sie als Projektleiterin innerhalb des Produkts SMARAGD MDS tätig. Sie verantwortet die Erstellung und Optimierung der Regelwerke in Abstimmung mit dem Fachbereich des Kunden. Darüber hinaus gehört die fachliche Prüfung und die Bestimmung der rechtlichen und regulatorischen Anforderungen an die SMARAGD Compliance Suite zu ihren Kernkompetenzen.