Tamara Tanaskovic/ April 24, 2019/ Uncategorized

Auf die Gefahr hin, es einfach klingen zu lassen, so ist RegTech weitgehend das, was der Name sagt:  Regulatory Technology (Regulatorische Technologie), nämlich der Einsatz neuer Technologien, um die Erfüllung regulatorischer Anforderungen zu erleichtern. Mit anderen Worten, RegTech zielt darauf ab, leicht zu integrierende und kosteneffektive Compliance-Lösungen bereitzustellen.

Banken stehen derzeit vor der besonderen Herausforderung, die Flut neuer regulatorischer Anforderungen bewältigen zu müssen, die in den letzten 10 Jahren immer weiter zugenommen hat. Neben der PSD2, DSGVO, der 4. und der bis 2020 ins nationale Gesetz umzusetzenden 5. EU-Geldwäscherichtlinie stehen weitere Richtlinien auf der Agenda. Die komplexesten regulatorisch getriebenen Initiativen sind derzeit BCBS 239, SREP, AnaCredit, IFRS 9 sowie Basel IV, welche die Erzielung regulatorischer Effizienz zu einem der wichtigsten Themen für nahezu jede europäische Bank machen.

Finanzdienstleister und zunehmend auch Versicherer erhoffen sich, regulatorische Anforderungen einfacher in ihre Fachbereiche und IT zu integrieren um Effizienzgewinne erzielen zu können. Eine Herausforderung hierbei ist das immer größer werdende Datenvolumen. Durch die Kombination einer Reihe neuer und häufig miteinander verbundener Technologien, wie Big Data und Datenanalyse, Cloud-basierte Services, Blockchain-Technologien sowie Bausteine künstlicher Intelligenz, vereinfacht RegTech die Einhaltung des wachsenden regulatorischen Kosmos für Finanzunternehmen erheblich. RegTech zielt insbesondere darauf ab:

  • die Konformitätskosten zu senken
  • Compliance-Prozesse durch eine stärkere Automatisierung und Standardisierung von Regulierungsprozessen zu vereinfachen, wodurch der Ressourcenaufwand für manuelle Bearbeitungen und Tätigkeiten herabgesetzt wird
  • Effizienzsteigerungen zu ermöglichen, die wiederum die Flexibilität und das Wachstum der Unternehmen fördern
  • Unternehmen zu unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Probleme früher zu lösen

Dadurch können Unternehmen ihre Kontrollen und Prüfungen einfacher und kostengünstiger aufrechterhalten. RegTech hilft ihnen, ihre Verantwortlichkeiten und Pflichten leichter zu verstehen, riesige Mengen an Informationen/Daten zu deuten und zu verarbeiten und eine Skalierbarkeit zu erreichen, die die vorhandene und technologisch überholte Infrastruktur nicht mehr bieten kann.

Die Automatisierung des Monitorings, folglich der Sanktions- und Embargolisten-Vergleich von Kundendaten, die Überwachung von Transaktionen und Wertpapierhandel sowie die Zuordnung von Kunden, Konten und Geschäftspartnern zur entsprechenden Risikoklasse gehören zu den gebräuchlichen RegTech-Lösungen. Neben der Prozessautomatisierung zur Reduzierung manueller Abläufe, soll eine Minimierung von False-Positives erzielt werden. Auch die Gewährleistung des Datenschutzes in allen Monitoring-Systemen darf dabei nicht aus dem Fokus gelassen werden.

RegTech wird meist als „das neue FinTech“ (Financial Technology) oder eine aus dem FinTech resultierende Entwicklung bezeichnet. Die FCA (Financial Conduct Authority/ Finanzaufsichtsbehörde in Großbritannien) war die erste Regierungsbehörde, die den Begriff RegTech etabliert und gefördert hat.  Dabei brachte sie hervor, dass RegTech eine Untergruppe von FinTech sei, welche neue Technologien heranzieht, die die Erfüllung regulatorischer Anforderungen effizienter und effektiver gestalten könne als derzeitige Instrumente.

RegTechs gab es allerding noch bevor der Begriff vor wenigen Jahren von der FCA geprägt wurde. Man muss allerdings zugeben, dass sich das neue Buzzword überwiegend im Finanzdienstleitungssektor etabliert hat, aber keineswegs auf diesen Bereich beschränkt werden darf. RegTechs umfassen viel weitere Anwendungsmöglichkeiten und können z.B. auch zur Umweltregulierung, im Gesundheitssektor, der Verkehrs- oder Fluglinienregelung eingesetzt werden. Jeder regulierte Wirtschaftsbereich hat einen Nutzen von neuen technologischen Anwendungen und kann von deren Potenzial profitieren.

Auch für politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden ist es eine Herausforderung, die sich schnell wandelnden Finanzsysteme zu regulieren. Während die wichtigsten Regulierungsziele, wie z. B. finanzielle Stabilität, aufsichtsrechtliche Sicherheit, Verbraucherschutz und Marktintegrität sowie Marktwettbewerb und -entwicklung bestehen bleiben, werden ihre Anwendungsmöglichkeiten zunehmend unzureichend. Da auch Regulierungsbehörden zunehmend Gebrauch von neuen Technologien machen, hat sich in jüngster Zeit ein weiterer Begriff durchgesetzt. Von RegTech abzugrenzen ist Suptech, ein zusammengesetztes Wort aus den Begriffen Supervisory Technology. Suptech-Anwendungen unterstützen die Arbeit von Aufsichtsbehörden und können somit als Pendant zu RegTech verstanden werden.

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Tamara Tanaskovic

Über Tamara Tanaskovic

Tamara Tanaskovic ist als Senior Consultant bei der targens GmbH tätig. Nach ihrem universitären Abschluss mit Schwerpunkt Strafrecht, folgten postgraduierten Studien in London im Bereich Kartellrecht, Bankenregulierung und Compliance. Aktuell ist sie als Projektleiterin innerhalb des Produkts SMARAGD MDS tätig. Sie verantwortet die Erstellung und Optimierung der Regelwerke in Abstimmung mit dem Fachbereich des Kunden. Darüber hinaus gehört die fachliche Prüfung und die Bestimmung der rechtlichen und regulatorischen Anforderungen an die SMARAGD Compliance Suite zu ihren Kernkompetenzen.