Niko Engelmann/ Januar 28, 2020/ Uncategorized

Der Islamische Staat scheint militärisch besiegt zu sein – doch die Ideologie bleibt weiterhin gefährlich. Durch große Gebietsverluste versiegen wichtige Finanzierungsquellen aus dem Verkauf von Bodenschätze. Die Finanzierungsformen der Terrororganisationen sind vielseitig. Neben kriminellen Aktivitäten und Gebietskontrolle sind Spenden eine wichtige Finanzierungsquelle. Als Spender kommen sowohl einzelne Personen, Institutionen als auch Staaten in Betracht. Hierbei gewinnt eine internetbasierte Sammlung von Spenden über Social-Media-Plattformen zunehmend an Bedeutung. Mithilfe von Videoclips oder Bildern von Kampfhandlungen wird auf Internetseiten, Social-Media-Plattformen oder Messenger-Dienste für eine Spende geworben. Bereits 2014 starteten IS-Sympathisanten Kampagnen auf Webseiten, die im Laufe der Zeit immer professioneller wurden. Nicht nur der Spenderkreis hat sich geändert, auch eine neue Zahlungsform etablierte sich in den letzten Jahren immer stärker: die Kryptowährungen.

Bitcoin und Co. ziehen Kriminelle magisch an, denn Sie versprechen Anonymität. Insbesondere bei Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wird versucht, die Herkunft der Gelder zu verschleiern. So gibt es in der innerhalb der Netzwerkes keine Zuständigkeit für die Identifizierung verdächtiger Transaktionen. Das Blockchain-Netzwerk selbst kennt keinen KYC-Prozess. Hinzukommend bieten Dienstleister „Anonymisierungsdienste“ sogenannte Tumbling Services an, die die Kryptowährungen ihrer Kunden vermischen und somit die Herkunft der Währung auf der Blockchain verschleiern.

Die bekannteste Kryptowährung Bitcoin ist jedoch alles andere als anonym. Die Blockchain, auf der die Kryptowährung basiert, zeichnet alle Transaktionen auf. Das Pendant zu den Tumbling Services sind sogenannte Block Explorer, die es ermöglichen Transaktionen zu verfolgen. Die Zahl der Fälle, bei denen Kriminelle durch das Bitcoin-Tracing identifiziert und gefasst wurden, nimmt laut Europol deutlich zu. Die Nachteile von Bitcoin sind den kriminellen Organisationen aber schon lange bekannt. Deshalb werden vorwiegend alternative Kryptowährungen, die in Bezug auf Nachverfolgbarkeit Vorteile versprechen, verwendet. Die Strafverfolgungsbehörden sind zum Teil machtlos und können die kriminellen Aktionen nicht aufdecken.

Die beste Chance die Kriminellen zu fassen bietet sich dann an, wenn die Kryptowährung gegen Fiatwährung getauscht wird. Für Banken ist somit besonders dann Vorsicht geboten, wenn ein Kunde eine Zahlung von einer Kryptobörse empfängt oder Geld dorthin überweist.

Der Gesetzgeber reagierte bereits auf diese Entwicklungen. Am 09. Juli 2018 trat die 5. Geldwäscherichtlinie in Kraft, welche ab Januar 2020 in Form des Geldwäschegesetzes in nationales Recht umgesetzt wurde. Damit wird auch der Anwendungsbereich der AML/CTF-Regeln auf Plattformen zum Umtausch virtueller Währungen sowie Anbieter von elektronischen Geldbörsen (Wallets) bzw. Konten für virtuellen Währungen ausgedehnt. Ziel ist es die Nutzer virtueller Währungen zu identifizieren und zu verhindern, dass illegale Geldströme in den Wirtschaftskreislauf gelangen.

Niko Engelmann

Über Niko Engelmann

Niko Engelmann ist als Consultant im Geschäftsbereich Compliance Solution bei der targens GmbH tätig. Bereits seit seinem Studium beschäftigt er sich mit dem Thema Financial Crime, speziell mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Bei targens begleitet er mehrere Implementierungs-Projekte innerhalb der Produkte SMARAGD MDS. Des Weiteren zählt die Erstellung von Regelwerken und Indiz-Optimierungen zu seinen Kernkompetenzen.