Matthias Dennig/ Juni 4, 2019/ Uncategorized

Ende Januar wurden im Euroraum die letzten 500er ausgegeben, jetzt zogen auch Deutschland und Österreich nach. Für sie galten noch Ausnahmeregelungen, weil die lila Banknoten in beiden Ländern häufiger genutzt wurden als anderswo. Ende April lief aber auch hier die Gnadenfrist für die 500er ab, wobei die im Umlauf befindlichen Scheine weiterhin unbegrenzt gültig sein werden. Mit dem Stopp sollen Steuerbetrug, Geldwäsche oder terroristische Umtriebe erschwert werden. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) seien die großen Scheine besonders bei Krimininellen beliebt. Und bei denen scheint Deutschland als Tummelfeld besonders hoch im Kurs zu stehen. Das wird die Abschaffung der 500er aber auch nicht ändern.

„Deutschland – ein Staat verliert die Kontrolle“ titelte im letzten Jahr das Handelsblatt. Es fehle an allem: Kontrollen, Erkenntnissen zu Taten und Tätern, vor allem aber an Geldwäsche-Bekämpfern. Die Eindämmung der Geldwäsche ist eines der zentralen Elemente im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus Zuständig ist die FIU, die Financial Intelligence Unit. Diese scheint aber mehr mit der Analyse der eigenen Probleme beschäftigt als mit ihrer Aufgabe, illegale Geldtransfers zu analysieren und zu bewerten und den Strafverfolgungsbehörden zuzuführen. 

Der mögliche Umfang des Geldwäschevolumens in Deutschland ist kaum seriös zu beziffern. Laut verschiedener Studien liegt es zwischen 20 und 100 Milliarden Euro jährlich. Fest steht aber, dass rund 6000 Verdachtsfälle monatlich neu bei der FIU ein eingehen. Dass die Geldwäschebekämpfer 2017 aufgrund einer EU- Richtlinie neu organisiert wurden und jetzt nicht mehr zu den Kriminalämtern, sondern zur Kölner Generalzolldirektion gehören, scheint die Behörde nicht schlagkräftiger gemacht zu haben. Zu wenig Befugnisse, zu viel Bürokratie und vor allem zu wenige Mitarbeiter resultierten in Bergen von unbearbeiteten Verdachtsfällen. Der 2018 neu berufene Chef Christof Schulte darf die Behörde zwar personell kräftig aufstocken. Doch die neuen Mitarbeiter müssen erst einmal gefunden werden. Der Aktenstau wird sich darum so schnell nicht verkleinern.

Gerade erschüttern Geldwäscheskandale von nordeuropäischen Banken die Finanzwelt. Sie galten lange als stabil und rentabel. Drohen auch deutsche Banken in Schwierigkeiten durch nicht bearbeitete Verdachtsmeldungen zu kommen? Die nächste Herausforderung steht jedoch schon nächstes Jahr an. 2020 werden die deutschen Geldwäschesysteme wieder durch die weltweit tätige FATF (Financial Action Task Force) kontrolliert. Schon beim letzten Review 2010 waren die Kontrolleure äußerst unzufrieden. Mit einem weiteren schlechten Ergebnis droht der Finanzplatz Deutschland auch international an Ansehen und Seriosität zu verlieren.

Foto: Tobias Bumm

Matthias Dennig

Über Matthias Dennig

Seit dem 1. Juli 2016 hat Matthias Dennig die Presales Verantwortung für das Produkt SMARAGD aces360 übernommen. Sein Aufgabengebiet umfasst die Beratung der Interessenten und Unterstützung bei der Neueinführung des SAP BIS basierten Produkts SMARAGD aces360. Seit mehr als 15 Jahren ist er in diversen Großprojekten im In- und Ausland als Projektmanager im Compliance Umfeld für die targens GmbH tätig.